Der kleine, recht bescheidene Jojobastrauch (»Hohoba« ausgesprochen) liefert ein beachtenswertes, sehr begehrtes Öl. In den glutheißen Wüsten Nordamerikas setzt sich dieser Überlebenskünstler gegen die widrigsten Umweltbedingungen durch. Nur 20 ml Niederschlag pro Jahr benötigt er zum Überleben. Er hat bis zu drei lange Pfahlwurzeln, um an das kostbare Nass zu kommen.
Um dem olivengroßen Samen (eine Nuss) einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, produziert die Mutterpflanze sehr kreativ ein hitze- und oxidationsstabiles, flüssiges Pflanzenwachs statt eines Pflanzenöls oder -fettes. Es ist mit der chemischen Struktur eines Speiseöls nicht vergleichbar: Ein Fettmolekül besteht aus einem Glycerin (dreiwertiger Alkohol mit drei OH-Gruppen), an dem drei Fettsäuren »angekettet« sind (siehe auch Seite 19 und 59). Bei einem Wachs hingegen sind ein langkettiger, einwertiger Alkohol (eine OH-Gruppe) und eine langkettige Fettsäure miteinander verbunden. Deshalb muss Jojobaöl korrekterweise eigentlich Jojobawachs heißen.
Um dieses Öl bzw. Wachs vor Bakterien zu schützen, hat die Pflanze sehr ungewöhnliche Wachsmoleküle kreiert, an denen sich die Bakterien sprichwörtlich »die Zähne ausbeißen«. Dadurch schützt Jojobaöl vor Bakterien, ist gut haltbar, und die Verkeimungsgefahr ist sehr gering. Schnell verderbliche Pflanzenöle wie Hagebuttenkernöl, gemischt mit Jojobaöl/-wachs, halten sehr viel besser und verkeimen nicht so schnell.
Im Kühlschrank erstarrt das Jojobaöl bzw. -wachs, schmilzt aber wieder bei Raumtemperatur, ohne dass die Qualität leidet. Sein größtes Plus: Es wird selbst nach vielen Jahren nicht ranzig!
Auf der Haut wird Jojobaöl sehr gut verstoffwechselt. Allerdings ist es nicht als Speiseöl verwendbar, da uns im Darm die passenden Enzyme fehlen, um das Wachs zu verdauen. Verwenden Sie es also nur äußerlich.
Jojobaöl wurde in den letzten Jahren zum »Star« in hochwertigen kosmetischen Produkten und als Hautpflegeöl. Mittlerweile hat es in allen Bereichen der Kosmetik Einzug gehalten. Zum Glück produziert der Jojobabaum kommerziell nutzbare Mengen von diesem einzigartigen flüssigen Wachs.
Es ist ein Feuchtigkeitsschutzmittel par excellence. Das Wachs, das unserem Hauttalg sehr ähnlich ist, schützt nicht nur den Hydrolipidmantel, sondern wird ausgezeichnet in die Hornschichtbarriere integriert. Außerdem werden die Wachsmoleküle teilweise enzymatisch in Fettsäuren und Wachsalkohole gespalten, die ebenfalls in den Hautstoffwechsel integriert werden. So reguliert Jojobaöl mit seiner ausgezeichneten Tiefenwirkung den Feuchtigkeitshaushalt der Haut und stabilisiert ihn, was bei juckender Haut oder Neurodermitis von besonderem Wert ist. Die Haut wird glatt und geschmeidig, und bei regelmäßiger Anwendung wird gerade die empfindliche, trockene und durch Heizungsluft oder Klimaanlagen gereizte Haut widerstandsfähiger.
Obwohl Jojobaöl ein Wachs ist, lässt es sich gleichmäßig und gut auf die Haut auftragen, dringt leicht ein und hinterlässt keinen Fettfilm.
Doppelt hält besser: Das Wachs wird zusätzlich durch einen hohen Anteil an bewährten Fettbegleitstoffen wie Phytosterolen, dem Vitamin-E-Komplex, Provitamin A und Squalen geschützt. Das Öl schützt vor UV-Strahlen, Umwelteinflüssen und freien Radikalen und ist tumorprotektiv (Blocking und Suppressing Agents). Es schützt und pflegt alle Hauttypen, ob jung oder alt.
Dieser Allrounder ist universell einsetzbar, gerade in Kombination mit linolsäure- und linolensäurehaltigen Pflanzenölen/-fetten, die dem Jojobawachs selbst fehlen. Umgekehrt verlängert Jojobawachs die Haltbarkeit oxidationsempfindlicher fetter Öle.
Geeignet für folgende Anwendungen
Zitiert nach Ruth von Braunschweig: Pflanzenöle. Über 50 starke Helfer für Genuss und Hautpflege!. Stadelmann Verlag, 2025. ISBN 978-3-943793-68-0 – Mit freundlicher Genehmigung des Stadelmann Verlags.