Ursprünglich kam der kleine Granatapfelbaum aus Asien. Seit 5000 Jahren wird er rund um das Mittelmeer kultiviert. Er soll der Baum der Erkenntnis aus dem Garten Eden sein, von dem Eva nach der Überlieferung die berühmte Frucht gepflückt hat. Seitdem haben wir Frauen zwar schlechte Karten. Doch dazu fällt mir ein Spruch auf dem T-Shirt meiner Tochter ein: »Eva, wir danken Dir für Sex und Wissenschaft.«
Vielleicht hat die kluge Eva als erste Naturforscherin und Heilkundige geahnt, wie hilfreich dieser Apfel ist. Denn die Granatapfelfrucht galt nicht nur im Altertum als Liebesapfel und war der Aphrodite geweiht. Seit Jahrtausenden ist sie auch Bestandteil traditioneller Heilkunst in den Mittelmeerländern. Auch war der Granatapfel ein Symbol von Langlebigkeit und seine gesundheitsbewahrenden Eigenschaften wurden gerühmt.
Vieles an diesem Baum ist ausgesprochen ungewöhnlich, insbesondere sein besonders wertvolles und teures Öl, das aus den steinharten, kleinen Kernen der Früchte gewonnen wird. Beim Genuss von Granatäpfeln habe ich sie immer als extrem lästig empfunden. Aber darin verbirgt sich ein Schatz! Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass Fruchtsaft und Kerne vollgepackt sind mit wertvollsten »Schutzstoffen«, den sekundären Pflanzenstoffen.
Das extrem teure Granatapfelsamenöl ist einzigartig. Wir kennen kein vergleichbares Pflanzenöl mit diesem ungewöhnlichen Fettmuster. Das Öl hat einen ungeheuer hohen Anteil (über 65 %) einer ungewöhnlichen, hochungesättigten, sogenannten konjugierten Fettsäure, die im Pflanzenreich sonst kaum vorkommt. Es ist eine modifizierte Linolensäure mit drei konjugierten Doppelbindungen, die Punicinsäure. Entgegen verbreiteten Aussagen gehört sie aber nicht zu den gängigen ungesättigten Omega-Fettsäuren, sondern ist chemisch eine andere Verbindung, nämlich eine sogenannte »Omega-5-Fettsäure«. Mit der gamma-Linolensäure, einer Omega-6-Fettsäure, hat diese Verbindung also nichts zu tun.
»Die Punicinsäure kann die Prostaglandinbiosynthese hemmen.«
Das heißt, sie kann allgemein Entzündungsprozesse im Körper reduzieren.
Das Öl enthält außerdem eine Reihe verschiedener »Phytoöstrogen«-Komponenten (Phyto-SERMs, siehe Seite 39) wie Coumestrol, Estron und 17-alpha-Estradiol. Sie sind nicht nur starke Antioxidantien, sondern wirken hormonell ausgleichend und antitumoral; innerlich u. a. gegen Darmkrebs, Brustkrebs und äußerlich gegen Hauttumoren (Blocking und Suppressing Agents).
Das Öl ist bei estrogenabhängiger Tumorbildung nicht kontraindiziert. Im Gegenteil, es ist ein schwacher Aromatasehemmer, d. h. es unterdrückt die körpereigene (endogene) Bildung des weiblichen Geschlechtshormons Estradiol. Darüber hinaus hemmt 17-alpha-Estradiol ein weiteres Enzym, welches die endogene Estrogensynthese katalysiert. Die hormonregulierende Wirkung wird durch Phytosterole und Flavonoide unterstützt sowie durch beta-Sitosterol, einen ebenfalls hormonähnlich wirkenden Stoff.
Granatapfelsamenöl ist in meinen Augen ein großartiges Hilfsmittel für die hormonelle Balance – seien es die Sexualhormone, die Schilddrüsenhormone oder die Stresshormone. Hilfreich ist Granatapfelsamenöl auch bei Stimmungsschwankungen und »seelischer Schieflage«. Kurmäßig genommen, wirkt es unterstützend bei Hormonstörungen, die die Psyche beeinflussen.
Granatapfelsamenöl ist ähnlich wie Nachtkerzenöl ein »Erste-Hilfe-Öl« bei vielen Hautproblemen. Darüber hinaus ist es ein Hautpflegeöl par excellence! Es stärkt und aktiviert die Barrierefunktion der Haut, fördert Regeneration und gute Vernarbung, aktiviert nachhaltig das Immunsystem und reduziert eine vorzeitige Hautalterung.
Es ist sehr hilfreich bei der empfindlichen, trockenen, reifen und beanspruchten Haut. Das Öl macht die Haut weich und geschmeidig, sodass sie sich gut und gesund anfühlt, während das Hautbild sich sanft verfeinert. Denn die Phyto-SERMs (siehe Seite 39) können die Estrogenrezeptoren der Haut beeinflussen und Funktionen harmonisieren, die mit einem Estrogenmangel zusammenhängen. So wird u. a. die Kollagensynthese stimuliert, und der Kollagenabbau verzögert sich. Die wertvollen Fettbegleitstoffe (UVS) sind Radikalfänger sowie Blocking und Suppressing Agents. In Pflegeprodukten wirkt Granatapfelsamenöl daher hautkrebsvorbeugend.
»Frauen nach Vaginaloperationen und Bestrahlungen und auch Gynäkologinnen fragen mich oft, was in diesen Fällen getan werden kann, damit die strapazierte Schleimhaut wieder heilt und geschmeidig wird. Auch hier empfehle ich gerne eine Mischung fetter Öle aus Granatapfelsamenöl, Nachtkerzenöl und Johanniskrautöl.«
Granatapfelsamenöl kann jedem Basisöl zugegeben werden, es ist auch in 10%iger Verdünnung (mit anderen Pflanzenölen) noch sehr wirksam. Bereits einige Tropfen bis 1 Teelöffel des naturbelassenen Öls zeigen gute Wirkungen.
Gynäkologinnen sind begeistert von den Erfolgen der Selbstpflege mit Aromafertigprodukten (mit zugesetzten ätherischen Ölen wie Ho-Holz*, Kamille römisch*, Rose* und Sandelholz*) zur Anwendung bei trockener und entzündeter Genitalschleimhaut.
Da das Öl nicht sehr lange haltbar ist, können Sie es, in Kapseln »verpackt«, auch als Nahrungsergänzungsmittel kurmäßig zu sich nehmen. Ebenfalls in Kapselform öfter kurmäßig angewendet für Gesicht, Hals und Dekolleté (Dauer etwa 4 Wochen), ist es ein ausgezeichnetes Hautregenerationsöl. Sie können den Inhalt der Kapseln auch gut in Ölmischungen einarbeiten (nehmen Sie dazu 1–5 Kapseln auf 50 ml).
Kleiner Tipp
Es gibt inzwischen in kleinen Gebinden (z. B. 30 ml) sehr wertvolles, natives Granatapfelsamenöl. Sie können das schnell verderbliche Öl (für die äußerliche Anwendung!) mit ca. 70 ml Jojobaöl mischen und erhalten eine haltbare, hochwirksame Ölmischung. Aber achten Sie auf die Qualität des Granatapfelsamenöls!
Geeignet für folgende Anwendungen
Zitiert nach Ruth von Braunschweig: Pflanzenöle. Über 50 starke Helfer für Genuss und Hautpflege!. Stadelmann Verlag, 2025. ISBN 978-3-943793-68-0 – Mit freundlicher Genehmigung des Stadelmann Verlags.